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Der Weg der Mode zum Konsumenten

Der Weg der Mode: in einer meist jugendlichen Sub- oder Alltagskultur formiert sich ein Trend. Gleichzeitig schickt eine Firma einen Trendscout los. Dieser hat Kontakte, kennt sich aus, ist vielleicht sogar Teil der Szene. Er macht seinen Job also gut, beobachtet, kehrt zurück und empfiehlt der Firma: eine Farbe, einen Schnitt, ein Accessoire – eine Idee, die daraufhin lukrativ umgesetzt wird. Kurzum: von der Straße auf den Laufsteg und in die Läden, oder aus der Subkultur, in die Hochkultur und ab in den Mainstream.

Hierfür ist die Punk-Ästhetik ein populäres Beispiel. Ein Look, der durch die britische Modedesignerin Vivienne Westwood geadelt wurde und immer noch im Design bekannter Modeketten zu finden ist.

Der Punk-Ästhetik der 1970er Jahre ist es auch zu verdanken, dass Kleidungsstücke und Symbole, die politisch konnotiert sind, durch eine De- und Neukontextualisierng inhaltlich entleert werden und zum Trend avancieren. Das umstrittenste Beispiel der letzten zwei Jahre ist beispielsweise der Boom des Palästinensertuches als Modeaccessoire. Das einstige Bauerntuch bleibt bedeutungsschwer.

In der historischen Wirkungskraft kleiner, aber dafür ebenso interessant, ist das Phänomen Ed Hardy by Christian Audigier, das seit zwei Jahren weder aus den Medien noch von Straße wegzudenken ist.

Christian Audigier ist ein französischer Modedesigner und Unternehmer, der bereits mit seiner Arbeit für das Label Von Dutch, die Truckercap zu einem Modetrend machte. Der Name Audigier wurde aber erst weltweit bekannt, seitdem der Designer mit dem Modelabel Ed Hardy öffentlich für Aufsehen sorgt, insbesondere aufgrund der Arbeiten des US-amerikanischen Tattookünstlers Don Ed Hardy. Kleidung und Accessoires bestechen demnach durch exaltierte, bunte Tattoo-Motive, ehemals Symbole zur Abgrenzung und gegenkulturelle Gruppenzugehörigkeit.

Ein weiteres Beispiel wie eine Idee stilprägend sein kann, beweist das Label Freitag. 1993 entwickelten zwei Schweizer Brüder eine funktionelle und belastbare Kuriertasche. Das Besondere an ihrer Idee war, dass sie die Tasche aus LKW-Plane fertigten. Als Tragegurt diente ein alter Autogurt und als Einfassung diente ein alter Fahrradgurt.

Das Konzept aus gebrauchten Materialien Produkte herzustellen, wurde in den 1990er Jahre immer populärer und erlebte Anfang der 2000er Jahre einen besonderen Boom. Plötzlich erschien selbst ein Englischlehrer mit seinem recycelten Mäppchen aus dem Weltladen als Vorreiter. Und der Firmenname Freitag war von den Straßen in Hamburg, Berlin, Köln oder München nicht mehr wegzudenken.

Ein weiterer Effekt und Dauerbrenner ist der großer Erfolg und die große Beliebtheit des groben Stoffes LKW tarpaulin – gebraucht oder neu. Dass beweisen weiterhin nicht nur Vorreiter-Marken wie Freitag, sondern auch neue Labels wie Tranzporter, die Taschen und Accessoires aus Tarpaulin erfolgreich weiter verbreiten.

Trends müssen sich immer weiterentwickeln. Das geschieht meistens durch die Erweiterung der Produktpalette oder durch ein erneutes Crossover von Material und Motiv, was am Beispiel der Tattoo-Bag deutlich wird, die eine bunte und auffällige Motivik mit dem Material wetlook-tarpaulin vereint.

Diese Beispielliste könnten vielfältig weitergeführt werden, insbesondere wenn man die Reaktivierung alter Stile für einen aktuellen Trend hinzunehmen würde. Doch auch dabei wird es mit Sicherheit nicht bleiben, denn ein Trendscout ist auch jetzt gerade unterwegs. Wenn er Glück hat, sticht uns dieser Trend bald an jeder Ecke ins Auge, ob es uns gefällt oder nicht. Letzteres gilt auch für die Frage, inwieweit die Massentauglichkeit und Kommerzialisierung dem Original die ästhetische (Widerstands)Kraft raubt. Hier liegt die Hoffnung in der Dynamik und Flüchtigkeit der Mode.

 

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